… sorgt mich.

DANKE für…
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Sehnsuchtsblau – Ein Abschiedsgruß
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In den letzten Tagen war das raumschiff unterwegs. In Thüringen. Auf der Suche nach anderen Pionieren und Pionierinnen, die Neues wagen. Mitten in der Kirche. Oder auch daneben. Oder so. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschland (EKM) hat vor einiger Zeit Erprobungsräume eröffnet: Raum in dem Neues entstehen darf. Unterstützt, erwünscht, ermöglicht von der Kirche. Mit viel Aufmerksamkeit, Neugierde und auch Geld. Christlicher Glaube und wie er Gestalt gewinnt, so dass er in dem Leben von Menschen Bedeutung gewinnt, belebt & trägt, darf hier ganz neu durchbuchstabiert werden.

Ganz schön mutig, finde ich das. Und habe darum die Menschen, die in diesen „Erprobungsräumen“ Neues wagen gefragt, was sie sorgt. Wie ihr Blick Richtung Zukunft aussieht: „Nichts.“, haben die meisten geantwortet. Mich sorgt mit Blick nach vorn nichts. Dass ich noch nicht weiß, wo ich mit dem lande, was ich aktuell tue, macht mir keine Angst. Sondern ich habe wirklich große Lust etwas auszuprobieren. Ich wünsche mir so sehr, dass christlicher Glaube neu Gestalt gewinnt. Die Kirche in dieser Region ist echt am Ende. Darum ist jedes Experiment wertvoll. Angst vor’m Scheitern habe ich nicht. Und wenn mir etwas Gutes gelingt, dann werden sich auch Wege finden, wie sich das weiterträgt. Auch wenn „Erprobungsräume“ erstmal nur für ein paar Jahre Geld & Begleitung von der Evangelischen Kirche dort bekommen und wirklich nicht wissen, wie es danach weitergeht, wirken die Menschen, mit denen ich spreche, entspannt. Experimentierfreudig. Sehnsuchtsvoll. Leidenschaftlich. Sie sind am Werk. Und sorgen sich nicht vor dem Morgen.
Ist das fahrlässig frage ich mich? Wie finden das denn die Menschen im Landeskirchenamt, die das Geld bereitstellen und die Erprobungsräume begleiten? Erwarten die nicht mehr Ideen zum Thema Nachhaltigkeit und klarere Zukunftskonzepte von den Pionierinnen und Pionieren ihrer Kirche?
Auch hier frage ich nach. Und bekomme dieselbe Antwort: Nein, das sorgt uns nicht, dass die meisten keinen Masterplan haben und kein detailliertes Zukunftskonzept. Denn das haben wir beides selber nicht. Nicht nur die einzelnen Initiativen an unterschiedlichen Orten, die „Erprobungsräume“ genannt werden, sind ein Experiment. Sondern der gesamte Prozess der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland ist ein Experiment. Kirche, die Experimente ermöglicht? Und selbst experimentiert?

Ich bin wirklich verblüfft.
Und hoffe darauf, dass so eine Gelassenheit nicht nur dort möglich ist, wo Kirche weiß, dass sie am Ende ist. Sondern auch in anderen Regionen. Gelassenheit & zugleich mutiges Experimentieren, Ermöglichungskultur & Leidenschaft – das wünsche ich mir von der & für die Kirche(n) in meiner Region. Wo vieles im Vergleich zum östlichen Teil Deutschlands noch funktioniert. Und dennoch brauchen wir auch hier genau so Neuanfänge. Mut zum Experiment. Und haben die Lösungen für die Zukunft nicht in der Tasche.

Gelassenheit & Mut zum Experiment – Das hat für mich etwas mit Spiritualität zu tun. Mit dem Vertrauen darauf, dass es etwas gibt, das über mich & mein Denken & Tun hinausgeht. Und dass mich zugleich nicht davon befreit, selbst aktiv zu sein & mutig Neues zu wagen. Das ist für mich Gottvertrauen. Genau diese Spannung. Sie zu gestalten und nicht aufzulösen in die eine oder andere Richtung, das ist die Kunst, das ist Glaube, finde ich.

Diese inspirierende Gelassenheit, dieses Gottvertrauen, das nehme ich mit in’s raumschiff. Will zukünftig dort noch mutiger werden. Und zugleich gelassener.
Was mich sorgt? – Vieles. Aber ich begeben mich auf den Weg Richtung „Nichts“. Vielleicht muss ich dort gar nicht ankommen. Beim Nichts. Aber zumindest bei der Gelassenheit. Und bei Gott. Das wäre schön.

1 Comment

  1. Peter sagt:

    ich finde es gut und mutig dass solche „erprobungsräume“ entstehen oder entdeckt werden und dass dafür Mittel bereit gestellt werden.Kirche, Glauben….. das sollte über Worte hinausgehen, begeistern durch Aktion, inspirieren. Gelebter- nicht nur geredeter, gelehrter Glaube. Und nach dem Reden dann weitermachen wie bisher und sich gegenseitig aufs Kreuz legen…
    Und vor allem sollte Glauben: gutun. Daran ist es glaube ich früher oft gescheutert an dem:“guttun“ und an dem „Dransein an den Menschen“: an dem was sie bewegt, was sie sorgt, was sie beschäftigt.
    Danke!! Vielleicht tut sich ja wirklich was. Vielleicht können wir ja auch ein bisschen mittun, wenn es vielleicht auch nur Kleinigkeiten sind. Viele Kleinigkeiten machen zusammen eine Menge aus!!!

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